Kein Bock auf Pro Köln!

Ein rechter Kampfbegriff: "Political Correctness"

Begonnen hat die Verwendung des Begriffes "Political Correctness", übersetzt "Politische Korrektheit", auch kurz und abfällig "PC" genannt, in den frühen 90er Jahren in den USA. Konservative bis extrem rechte WissenschaftlerInnen und PolitikerInnen prägten diesen Begriff um jene Menschen und Gruppen lächerlich zu machen, die gegen soziale, geschlechtsspezifische und rassistische Ungleichheit, Intoleranz und Diskriminierung eintreten.

Für Konservative bis Neonazis ist "PC", wie ein liberaler US-Kritiker sich ausdrückte, "eine Art Weihnachtsbaum, an den die Rechte all das hängt, was ihr nicht in den Kram passt, etwa im Bereich der Universitätserziehung: die Gleichstellungsgesetzgebung, Zulassungsquoten für Minderheiten usw.".
Zurecht beklagen sich Linke, Liberale, FeministInnen und VertreterInnen von Minderheiten über den - zumeist - abschätzig benutzten Gebrauch dieses Begriffes um ihre Bemühungen um eine Öffnung der Gesellschaft, das Hinterfragen von veralteten Tabus, Vorstellungen und Stereotypen zu karikieren und zu verfälschen.

Ab Mitte der 90er Jahre entdeckte auch die deutsche Rechte - zuerst Konservative, dann Neonazis - den Begriff der "PC" für sich um ihn für ihre rückwärts gewandten politischen Ziele zu benutzen.
Das konservative Magazin "Focus" ("Die Guten auf dem Kriegspfad") diffamierte die "PC" als "Attacke auf die Meinungsfreiheit", das konservativ- Wochenblatt "Rheinischer Merkur" veröffentlichte ein selbstgestricktes "Tabu- und Tugend-ABC" der "PC" unter dem Titel "Wenn Wörter Waffen werden" und die rechtskonservative Zeitung "Schweizerzeit" bezeichnete "PC" gar als "geistige Zensur der Heuchler".

Auch die extreme Rechte, wie z.B. die Berliner Wochenzeitung "Junge Freiheit", begann eine Aufkleber-Kampagne mit dem Text "PC - Nein Danke!" und Neonazis benutzen den Kampfbegriff "PC" um fortschrittliche, antirassistische und antifaschistische Bewegungen zu diffamieren. So mokiert sich die Jugendgruppe der extrem rechten Gruppierung "Pro Köln" z.B. darüber, dass man Sinti oder Roma nicht mehr "Zigeuner" nennen soll, ein Bezeichnung, mit der Sinti und Roma lange Zeit in diskriminierender Weise belegt wurden und letztendlich viele von ihnen in sogenannten "Zigeuner-Lagern" in faschistischen Konzentrations-lagern ermordet wurden. Selbst die - notwendige - strafrechtliche Verfolgung rassistischer und antisemitischer Äußerungen und die Leugnung der Shoa an Jüdinnen und Juden durch die Nazis wird von Neonazis als Folge einer "Political Correctness" bezeichnet. Man tut also gut daran, gleich zweimal hinzusehen, wenn wieder einmal gegen eine so genannte "Political Correctness" gehetzt wird! Denn, Faschismus ist keine "Meinung", sondern ein Verbrechen!

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